Au Pair in New Jersey

Wie ich mit Formularen, Windeln und Sandy kämpfte und die beste Zeit meines Lebens verbrachte

Nach dem Abi ging es mir wie vielen: Ausbildung, Studium oder ein Gap Year einlegen? In meinem Kopf führten Vernunft und Reiselust einen munteren Kampf miteinander. Doch irgendwann wurde mir klar: Ich werde Au Pair. Na klar! Wenn nicht jetzt die Chance nutzen, eine Weile in den USA zu leben, wann dann?! Kaum war die Entscheidung gefallen, die ersten langen Anträge ausgefüllt und mein Profil vervollständigt inklusive Video von mir, kam der erste Anruf meiner Gastfamilie. Die Chemie stimmte sofort. Ich wollte sie. Sie wollten mich. Ehe ich mich versah, war ich auf dem Weg nach New Jersey (Ostküste der USA) für 13 Monate inklusive eines Reisemonats, welchen das Visum on Top bietet.

Wie passen 13 Monate in nur einen Koffer?

Mir stellte sich die Frage: Wie passen 13 Monate in nur einen Koffer?! Schwierige Frage, aber wie schwer wird es dann erst nach den 13 Monaten sein Gepäck wieder in nur einen Koffer zu packen, nach dem man gelernt hatte, dass New Jersey ein tax free auf Klamotten hatte. Dies sollte sich allerdings erst später herausstellen. Der Anfang war gemacht, das nötigste eingepackt, das wichtigste war ja eh der Reisepass und das Visum und der Rest ergab sich vor Ort ;-)        Nun ging es endlich zu meiner Gastfamilie.

Rund um die Uhr mittendrin

Die Kids, auf die ich aufpassen durfte, waren ein und drei Jahre alt. Für mich bedeutete das, das volle Programm. Gut, dass ich vorher genug Stunden Erfahrungen im Bereich mit Kindern gesammelt hatte – 200 Stunden waren ja Mindestvoraussetzung, ich kam zum Glück durch das Praktikum beim Kindergarten, Babysitten, Jugendgruppen leiten etc. auf mehr Stunden. Meine Arbeitswoche bestand aus 45 Stunden; die Wochenenden hatte ich frei.

Haus der Au Pair GastfamilieAu Pair Aylin mit ihren Gastkindern

Windeln wechseln, anziehen, baden, kochen, füttern, Wäsche machen, zum Kindergarten fahren, spielen, Playdates ausmachen – und immer wieder neue Aktivitäten ausdenken. Leben und Arbeiten fanden am selben Ort statt. Gar nicht so leicht, denn man ist ständig im Dienst: als Arbeitskraft, Animateur, Familienmitglied, Freundin oder Haustiersitter (einen Hund, zwei Katzen und Fische hatten wir). Aber genau diese Herausforderung suchte ich – das Leben, Verantwortung übernehmen und gleichzeitig genug Zeit zum Reisen und neue Kulturen kennen lernen haben.

College und andere Voraussetzungen

Neben der Arbeit ging ich zum College. Hier musste ich 6 Credits ergattern, die Bestandteil des J1 Visums waren. Das College machte es leicht, zusätzlich zu den monatlichen Au Pair Meetings, neue Leute kennen zu lernen. Wir verabredeten uns morgens auf einen Kaffee im Starbucks oder gingen zusammen ins Kino. Für den Führerschein, um die Kinder zur Schule fahren zu dürfen, musste ich für die New Jersey Drivers Licence noch eine schriftliche Prüfung ablegen. Die praktische Prüfung fiel aus, da mein deutscher Führerschein hier ausreichte. Die Voraussetzungen sind je nach Bundesstaat sehr unterschiedlich. Dies klärte mein Gastvater für mich ab.

Heimweh bleibt nicht aus, geht aber vorbei

Auch vom Heimweh blieb ich nicht verschont: Doch nach drei Monaten Eingewöhnungszeit war Jersey für mich mein zweites zu Hause geworden. Viele Au Pairs bekamen Besuch von Freunden oder Familie während des Auslandjahres. Dies half natürlich sehr und war die Chance des Besuches, die USA ein Stück weit kennen zu lernen.

Das Land bereisen

Überhaupt fühlte ich mich in den USA wirklich sehr wohl – was nicht zuletzt auch an den tollen Reisen lag, die ich in meinem Reisemonat und zwischendruch an Wochenenden mit anderen Au Pairs oder in meinem Urlaub erleben konnte: Kalifornien, Florida, Bahamas, die vielen Nationalparks und Citytrips an den Wochenenden nach NYC (nur 45 Minuten mit dem Bus nach Manhattan), Washington D.C., Boston, Chicago, Niagara Fälle und vieles mehr – vor allem die Zeit auf Hawaii war unvergesslich!

Als Au Pair die USA bereisen

Wunderbare Erfahrungen im Gepäck

Das Jahr in den USA diente zum Englisch und Alltag bewältigen lernen, reisen, neue Menschen und Kulturen kennen lernen (meine Familie war jüdisch, also haben wir z.B. koscher gekocht; aber auch an Thanksgiving Feiern und am Hanukkah Fest durfte ich teilnehmen), zum Entdecken was die Welt einem bietet, was und wer einem wirklich wichtig ist und auch zum Erkennen, was alles in einem steckt. Vieles hätte ich mir vor dem Jahr nicht zugetraut. Mittlerweile weiß ich, dass die Zeit mir gezeigt hat, man schafft fast alles und man hält viel mehr aus als man denkt. Außerdem kann ich jetzt auch behaupten, sturmerprobt zu sein: Denn Hurricane Sandy habe ich am Ende meines Jahres auch noch miterlebt. Ein Erlebnis, was mich und meine Gastfamilie noch näher zusammengeschweißt hat und wo ich gelernt habe, immer alles positiv zu sehen. Die Leute haben sich zusammen getan und die Schäden gemeinsam schnell wieder beseitigt, sodass ich dann nach Deutschland zurück fliegen konnte – natürlich mit einem weinenden und einem lachendem Auge!

Nicht nur Sandy habe ich aus den USA Erfahrungen mitgenommen, die man an keiner Uni dieser Welt lernen kann! Für mich war das Au Pair Jahr eine unbezahlbare Zeit – die mich übrigens auch in meiner Berufswahl bestärkte: Mittlerweile habe ich meine Ausbildung als Tourismuskauffrau in Hamburg absolviert, bei einem Reiseveranstalter für Nordamerikareisen gearbeitet und bin als Stewardess durch die Welt gejettet. Zur Zeit arbeite ich bei einem Reiseveranstalter für Work & Travel Programme und für unsere Au Pair Marke – so kam ich dann auch noch nach Australien ;-) und kann nun vielen von meinen tollen Reiseerfahrungen berichten (man bedenke: auch Erlebnisse die erst nicht so toll waren, sind nachher die, wo man tolle Geschichten von erzählen kann und vieles zum Lachen hat) und anderen helfen Ihren Traum wahr werden zu lassen.

Ein Mutspruch den ich vielen mitgeben möchte, denen noch die letzte Angst zu nehmen ist und noch ein wenig an ihrem Zuhause und den Familienmitgliedern festhalten: Entfernungen haben keine Bedeutung, sich nah zu sein ist Sache des Herzens. Vielleicht hilft euch das und Skype gibt es ja auch noch. Am Ende des Jahres seid Ihr wirklich um gefühlte 1 Millionen Fotos und Erfahrungen reicher. Ich hoffe ihr habt Lust auf das Abenteuer eures Lebens bekommen! Startet jetzt durch!